Der Beilsteintest zum Nachweis von FCKW

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Simon Schneebeli; Dezember 10, 2018

Schaumstoffe enthielten bis 90er Jahre und zum Teil sogar noch danach ozonschädigende Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Solche Isolationen gelten normalerweise nicht als Sonderabfälle und können in einer KVA entsorgt werden, da die FCKW dort weitgehend zerstört werden. Problematischer sind Sandwich-Elemente, wie man sie manchmal auf Dächern, in Fassaden oder in Kühlkammern findet. Wie  aber weiss man, ob eine Isolation FCKW enthält ? Und wenn ja, wie werden solche Materialien entsorgt ?

Um was geht es

Dämmaterialien wie Polyurethan (PU) oder Polystyren (XPS) enthalten ein "Treibgas". Dieses sollte chemisch inert und stabil sein. Diese Anforderungen erfüllten die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Wenn diese Gase aber in die Atmostphäre gelangt, schädigen sie die Ozonschicht und wirken dort als starkes Treibhausgas.

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass eine Entsorgung dieser Gase in einer normalen Kehrichtverbrennungsanlage gut funktioniert, da die FCKW dort weitgehend zerstört werden (1). Somit werden normale Schaumstoffe nicht als Sonderabfälle angesehen, müssen bei einer Schadstoffdiagnose nicht untersucht werden und können einfach in einer KVA entsorgt werden.

Problematischer sind aber sogenannte Sandwich-Elemente. Um diese zu entsorgen, müssen die Blech-Platten vom Schaumstoff getrennt werden. Dies geht aber nicht, ohne dass die Gase freigesetzt werden. Für den Menschen ist dies ungefährlich. In die Atmosphäre gelangen sollten sie aber nicht. Entsprechend sind sie auch in der neuen Vollzugshilfe zur VVEA Art. 16, Modul Bauabfälle (zur Zeit in Vernehmlassung) explizit erwähnt (2).

Wie kann man FCKW nachweisen.

Wie weiss man nun, ob ein solches Schaumstoffmaterial FCKW enthält? Grundsätzlich kann man sagen :

  • Bis Anfang 90er-Jahre : Das Material enthält praktisch immer FCKW.
  • Nach ca. 2004 : FCKW sind praktische aus der Produktion verschwunden (3).
  • Dazwischen : Entweder geht man auch hier einfach davon aus, dass sie FCKW enthalten. Alternativ kann man mit dem einfachen Beilsteintest prüfen, ob das Material Chlor enthält oder nicht.

Wie funktioniert der Test

Für den Beilsteintest braucht man ein Stück Kupferblech oder ein Kupferdraht, der genug dick ist, dass er sich auch bei hohen Temperaturen nicht gleich verbiegt (idealerweise 1mm oder mehr).

Diesen Draht erhitzt man, bis er in der Flamme des Bunsen- oder Propan-Brenners rot glüht und die Flamme des Brenners ausser dem normalen leichten Blaustich farblos ist.

Anschliessend hält man den Kupferdraht kurz auf das zu testende Material und dann gleich wieder in die Flamme.

Wenn sich die Flamme grün verfärbt enthält das Material Chlor, und im Fall von Schaumstoffen höchstwahrscheinlich FCKW.

Zu beachten

Um wirklich ein zuverlässiges Resultat zu erhalten, sollte man folgendes beachten (4) :

  • Sauberkeit: Zwischen Versuchen ist es gut, wenn man den Kupferdraht mit Wasser und Salpetersäure (10%) reinigt. Alternativ : jeweils einen neuen Draht nehmen. Grundsätzlich gilt aber, wenn die Farbe beim Erhitzen des Drahts farblos ist, kann man den Test durchführen.
  • Gedämmtes Licht: Wenn wirklich FCKW in einem Isolationsmaterial drin sind, sollte man dies relativ gut sehen. Im Zweifelsfall den Test im Dämmerlicht oder einem abgedunkelten Raum durchführen, damit man die Verfärbung besser sieht.
  • Guter Kontakt zwischen Dampf/Rauch und dem Kupfer: Um auch ganz geringe Mengen von Chlor noch nachweisen zu können, wird empfohlen, das zu testende Material in die Zuluft zum Brenner zu halten, dann den rotglühenden Kupferdraht drauf zu halten, damit der Rauch beim Verkohlen von der Flamme angesogen wird.
  • Keine andere Materialien berühren: Auch normales Plastik kann Chlorverbindungen enthalten. Der Draht sollte also nur mit dem zu testenden Schaumstoff in Kontakt kommen.
  • Achtung Dioxine: Beim Erhitzen von Plastik-Materialien können auch Dioxine entstehen. Wird dieser Test häufig durchgeführt, kann es gut sein, eine Atemschutzmaske mit Aktivkohlefilter zu tragen.

Wie entsorgt man das Material

Handelt es sich um ein Sandwichmaterial und wird beim Test FCKW nachgewiesen, stellt sich nun die Frage, wie man es entsorgen soll. Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass Recycling-Firmen bereits heute Elemente von Kühlkammern (z.B. Türen) getrennt entgegennehmen und anschliessend einem Spezialunternehmen übergeben, das die Materialien in einer hermetisch geschlossenen Kammer auftrennt. Im Moment scheint es nur eine einzige Anlage in der Schweiz zu geben, die über eine solche Kammer verfügt. Es ist zu hoffen, dass es bald weitere Anlagen gibt, denn Treibgase ohne Chlor (z.B. FKW) sind zwar nicht mehr ozonschädigend, dafür aber sehr potente Klimagase (5). Entsprechend wäre es wohl sinnvoll, wenn eines Tages alle Sandwich-Materialien, unabhängig vom Alter, in einer KVA entsorgt werden.

Quellen:

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